
Kurt Kuch
Land der Diebe
Ecowin 2011
Wenn man Insiderinformationen Vertrauen schenken darf, so beginnt Kurt Kuch (Innenpolitik Ressortleiter des Nachrichtenmagazins News) jeden Tag mit einem Ritual. Er stellt sich vor den Badezimmer Spiegel und brüllt: Spieglein Spieglein an der Wand, Wer ist der beste investigativ Journalist mit der größten Zivilcourage im Land? Das im Salzburger Ecowin Verlag erschienene Buch legt seinen Finger auf eine in Österreich besonders stark klaffende Wunde.
Es geht um Korruption und angrenzende Themenbereiche. Nicht nur Transparency International und der Rechnungshof können mehrere Lieder davon singen. An den Beispielen Sarkozy in Frankreich und Berlusconi in Italien kann man erkennen, es handelt sich nicht nur um eine ausschließlich österreichische Angelegenheit. Dennoch ein schlechtes Ranking auf den Listen von Transparency International hat verheerende Auswirkungen für das Land und seine Steuerzahler.
In sechsundvierzig Kapiteln schildert der Journalist Kurt Kuch Skandale mit denen er in seiner bisherigen Journalisten Laufbahn in Berührung gekommen ist. Was ist nun das speziell Österreichische an der ganzen Sache. Es scheint in diesem Land ein institutionalisiertes schlecht entwickeltes Rechtsempfinden zu geben, wenn es sich um die Themen die der Volksmund (Freunderlwirtschaft, Vetternwirtschaft und Protektion) nennt, handelt. Stichwort: Offenlegung von Parteispenden. Entschärfung des „Anfütterungsparagraphen“ im Antikorruptionsgesetz, Parteipolitisch abhängige Staatsanwälte die nichts „falsch“ machen wollen, und so weiter. Gerade die „Dinge“ die im Graubereich passieren sind symptomatisch für die Schwächen der österreichischen Mentalität und des Rechtssystems. Die Medien als vierte Macht im Staat haben eine besondere Verantwortung und da kommt eine sehr erfreuliche Seite des Internets zum Vorschein, der Dreck kommt schneller ans Tageslicht und ist für Jedermann und Jederfrau schneller abrufbar, als das in früheren Jahrzehnten der Fall war. Das perverse an dem ganzen Thema ist, Kurt Kuchs Buch müsste eigentlich, siehe Telekom, Blaulichtfunk, Bowog Affären, einem ständigen „up dating“ unterzogen werden. Mit drastischer Erhöhung der Kapitel- und Seitenanzahl . Um der Sache etwas Erfreuliches ab zu gewinnen: Der Beruf des investigativ Journalisten hat immer eine gewisse Konjunktur. Dem Buch wäre kritisch anzumerken, dass es auch die andere Seite der Medaille gibt. Das Phänomen der medialen Vorverurteilung. Besonders ausgeprägt bei Boulevard Medien. Aber gut das war nicht das Thema der Publikation. (Andreas Scheck)
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