Leopold-Kohr-Förderpreis für FAIRKEHR

| 18. Oktober 2010

Im Sommer 2007 hat sich der Verein fairkehr aus der Idee einer Gehzeugaktion entwickelt. Das Ziel ist Menschen zum Nachdenken über eine faire Mobilität beziehungsweise über einen fairen Verkehr anzuregen. Am 5. Oktober 2010 hat der Verein feierlich den Leopold-Kohr-Förderpreis in der Großen Universitätsaula entgegen genommen.

Unter “fair” wird ein Verkehrswesen, in dem alle TeilnehmerInnen (FußgeherInnen, RadfahrerInnen, AutofahrerInnen,…) gleich behandelt und berücksichtigt werden, verstanden. Nicht-Motorisierte sind von unseren VerkehrsplanerInnen ziemlich an den Rand gedrängt worden. Die Wegzeiten der FußgängerInnen haben sich seit den 1950ern verdoppelt, daher ist das zentrale Anliegen des Vereins das das Verkehrswesen nicht die Ressourcen anderer Menschen und zukünftiger Generationen vergeuden und verbrauchen soll.

Als Mittel zur Bewusstseinsbildung und zur Diskussion über nachhaltige und zukunftsfähige Verkehrskonzepte hat der Verein fairkehr das Gehzeug gewählt. Das Gehzeug zeigt uns bildhaft eine Verrücktheit, welche uns schon lange nicht mehr auffällt. Es ist eine Erfindung von Prof. Knoflacher vom Institut für Verkehrstechnik und Verkehrsplanung an der TU Wien und ein Holzrahmen (siehe Bild) mit einem Umfang eines Mittelklassewagens, das sich ein Fußgänger umschnallt. Damit soll demonstriert werden, welch hohen Platzbedarf einzelne Leute beanspruchen (bei im Schnitt 1,5 Personen pro Auto). Es soll damit auch veranschaulicht werden: Wenn du als Fußgänger mit einem solchen Gerät durch die Gegend spazierst – womöglich tagtäglich mit drei leeren Sesseln – wirst du als verrückt gesehen. Millionen von Leuten schnallen sich tagtäglich einen solchen Rahmen um und fahren mit geringster Energie- und Mobilitätseffizienz ein hohes Gewicht – inkl. der drei leeren Sessel – durch die Gegend. Und alle finden das normal.

In erster Linie wollen Erik Schnaitl, Lukas Uitz, Fang Liang He und Herbert Killian mit ihren Aktionen  Jugendliche ansprechen und sie für das Thema sensibilisieren – schließlich sind sie die Zukunft! Die Erfahrungen bisher haben gezeigt, dass sich gerade Jugendliche durch den praktischen Einsatz des Gehzeugs sehr begeistern lassen.

Aktionen gab es seit der Gründung des Vereins jede Menge. Der Platzvergleich auf der Salzburger Staatsbrücke im Herbst 2009 war einer der Höhepunkte. Dabei wurde vor der herrlichen Herbstkulisse der Stadt Salzburg ziemlich spektakulär gezeigt, wie sehr uns eigentlich unsere vermeintliche “Mobilität” mittlerweile einengt. Um aufzuzeigen, wieviel Lebensqualität (zurück) gewonnen werden könnte, veranstaltete der Verein Ende Mai ein sehr erfolgreiches Straßenfest auf der St. Julien-Straße, einer der meistbefahrenen Straßen Salzburgs. Eine der letzten Aktionen „Wo Mensch und Auto zusammenstoßen, entsteht Tragi-Komödie“ fand im Sommer mitten im Festspielgetümmel statt. Statt der dort gewohnten Audi-Flotte gab es Gehzeuge vorm Festspielhaus. Der Verein wollte damit auf die Verkehrssituation in der Stadt Salzburg speziell im Sommer aufmerksam machen.

Am 5. Oktober erhielt fairkehr für seinen unermüdlichen Einsatz den Leopold-Kohr-Förderpreis. Überreicht wurde die Auszeichnung von LH Stv. Dr. Wilfried Haslauer. Erik Schnaitl hielt eine sehr berührende Rede, die den feierlichen Rahmen sehr auflockerte. Dabei griff er die Leopold Kohr Philosphie: “Das menschliche Maß” und “Das Finden der idealen Größe” auf und stellte drei Überlegungen in den Raum:

  • Neue Straßen bringen neuen Verkehr! Daher plädiert fairkehr für einen Stopp des Straßenbaus und in manchen Fällen sogar einen Rückbau von Straßen.
  • “Slow is beautiful” angelehnt an “Small is beautiful”! Die soziale Gerechtigkeit einer Gesellschaft wird zerstört, wenn die Transportgeschwindigkeit von 25km/h überschritten wird. Austausch kann daher bei höherer Geschwindigkeit nur mehr bedingt stattfinden, wird die Geschwindigkeit über das menschliche Maß erhöht.
  • Der Kohr-Anhänger und Gehzeug-Erfinder Prof. Hermann Knoflacher ist der Meinung, dass die Ursache für heutige Probleme [...] in der Organisation der Anfangs- und Endpunkte der Wege und nicht im Fließverkehr liegt!

Erik Schnaitl forderte bei der Dankesrede daher klare gesellschaftspolitische Vorgaben für eine Veränderung des Mobilitätsverhalten, die mit Rückgewinnung an Lebensqualität einhergehen würden. Zum Abschluß bezeichnete sich Erik als Kohrianer und lud zur GRATIS UMARMUNG ein:-)

Wer glaubt, dass fairkehr jetzt einmal Winterpause macht, der hat sich getäuscht. In Wien gibt es am 21. Oktober eine riesen Gehzeugaktion im Rahmen der Jugend-Umwelt-Tage 2010. Außerdem sind weitere Straßenfeste in Planung. Da kommt Freude auf!

Mehr zu fairkehr auf:  http://www.fairkehr.net/

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1 Kommentar
  1. Bergfink am 22. Oktober 2010 um 18:37

    Ich finde das ist ein toller Verein und so einen braucht es, wenn wir in Zukunft unsere Lebensqualität erhalten bzw. wieder steigern wollen. Und auch in Anbetracht des Klimawandels und steigenden Treibstoffverbrauchs, ebenso wie Energie- und Ressourcenverbrauch für Bau von Straßen, Parkplätzen, Garagen und  Herstellung von Autos, braucht es Menschen, die den anderen Menschen bewußt machen, was sie da eigentlich tun und wie es anders gehen kann.

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