Findet die Burka!

| 2. Mai 2010

Burkaträgerinnen:

200 in Dänemark

200 in Belgien

200 in Holland

Und ein paar weitere hundert verteilt auf andere europäischen Länder!

Angesichts dieser minimalen Anzahl von BurkaträgerInnen – es gibt viele Menschen, die noch nie eine gesichtet haben – stellt sich die Frage, ob es momentan wirklich notwendig ist über ein Burka-Verbot zu diskutieren!?

Die Forderung und Einführung des Burka-Verbots ist in vielen europäischen Ländern zum Thema geworden, so auch in Österreich. Unklar ist, ob sich dieses Verbot auf öffentliche Gebäude und Verkehrsmittel beschränkt oder auch den Gehweg, die Straße und den privaten Wohnbereich betreffen soll.

 

In Österreich fordert ÖVP-Familienstaatssekretärin Christine Marek ein generelles Burka-Verbot im öffentlichen Raum und bezieht sich bei ihrer Forderung auf Menschenrechte und Aspekte der Sicherheit. Obwohl SPÖ-Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek vor einem Jahr in Österreich noch keine Problemstellung sah, wünscht sie sich nun eine breite, öffentliche Diskussion über das Burka-Verbot. Die Ministerin will sich der Debatte nicht verschließen, da „eine Ganzkörperverschleierung Frauen massiv diskriminiert“.

Den empirischen Studien der belgischen Soziologin Tülay Umay zufolge kann jedoch das Stereotyp vom islamischen Mann, der seine Frau zum Ganzkörperschleier zwingt, bei BurkaträgerInnen in westlichen Ländern nicht bestätigt werden. Währenddessen entscheiden sich Frauen in Europa individuell und aus eigener Überzeugung für das Tragen des Ganzkörperschleiers. Auch Wissenschaftlerin Agnes De Feo hat in Forschungsprojekten für Le Monde verschleierte Frauen für längere Zeit begleitet und, anstatt ein Tragen aufgrund männlichen Diktats, einen Schwenk zur Verhüllung von Frauen als Folge eines mystisch-religiösen Protests gegen eine als feindlich empfundene Umwelt beobachten können.

Die angeführten Gründe der Ministerinnen für ein Burka-Verbot sind den Studien zufolge daher haltlos. Außerdem sind die Wege unterschiedlicher Heilssuche in Randgruppen bekanntermaßen vielfältig. Das bedeutet nicht, man sollte diese gutheißen und nicht offen darüber sprechen, aber als liberale Gesellschaft auch kein Staatsdrama daraus machen!

Frauenministerin Heinisch-Hosek lehnt die Ganzkörperverschleierung des Weiteren ab, „ weil sie Frauen daran hindert, bestimmte Berufe zu ergreifen“. Diese Aussage erweckt den Eindruck, als wäre die Ministerin um das Wohlergehen und die Integration von BurkaträgerInnen besorgt. Das Thema nun aber öffentlich in den Medien breit zu treten und ein Verbot für ganz wenig Betroffene anzudrohen, schadet dieser gesellschaftlichen Randgruppe, statt ihnen Zukunftsperspektiven zu ebnen. Man kann nicht gleichzeitig zur Diskussion einladen und im gleichen Atemzug ein Verbot ankündigen. Da hat wohl keiner mehr Lust konstruktiv an einem gemeinsamen Zusammenleben teilzuhaben.

Obwohl die GRÜNEN das Tragen der Burka und anderer Vollgesichtsverschleierungen aus frauen- und gesellschaftspolitischen Gründen nicht gutheißen, sehen sie im Verbot keine Lösung des Problems der Frauendiskriminierung sowie angrenzenden Problemstellungen. „Frauendiskriminierung darf nicht mit Bekleidungsvorschriften bekämpft werden“, so die Menschenrechts- und Frauensprecherin der GRÜNEN Alev Korun. Um wirklich effektive Verbesserung zu erzielen muss bei:

  • gleichen Löhnen für Frauen
  • gleichen Bildungschancen für Mädchen
  • Steigerung der Frauenerwerbsquote
  • unabhängigem Aufenthaltsrecht
  • Schaffung von Unterbringungsstellen für von Gewalt betroffene Frauen
  • Betreuung von zwangsverheirateten Frauen
  • verstärkte Bewusstseinsbildung

 

angesetzt werden. Alle anderen Vorgehensweisen und vor allem populistische Angstmache durch Antiislamismus bringen weder BurkaträgerInnen noch dem gesellschaftlichen Zusammenleben Perspektiven für die Zukunft. Eine Gesellschaft ist immer danach zu beurteilen, wie sie mit ihren Außenseitern umgeht; dafür plädierte bereits der Philosoph Michel Foucault. Außerdem löst in den allerwenigsten Fällen ein Verbot ein gemeintes Problem!

(Petra Sadler)

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2 Kommentare bisher
  1. Lukas am 15. Mai 2010 um 15:16

    jaaaaaa, ich hab eine gesehen! in der alpenstraße am 11.5.10. die gefahr ist also real!

  2. Georg Pichler am 15. Mai 2010 um 15:35

    und du bist dir auch sicher, dass es eine Burka und kein Niqab war? =)

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