
Letzte Woche trafen unzählige BildungsministerInnen europäischer Staaten in Wien und Budapest zusammen um das zehnjährige Jubiläum der Bologna-Deklaration zu würdigen. Auf dem Plan stand zu diskutieren, ob die Ziele des Bologna-Abkommens erreicht wurden.
Die wesentliche Zielsetzung des Dokuments war die Einführung eines Leitpunktesystems, eine Vereinheitlichung des Studiensystems, das Abschlüsse international vergleichbar machen soll. Die Ressourcen intensive Umsetzung in Österreich ist in Folge mit einem BA/MA Studiensystem passiert. Kritik an diesem Prozess richtet sich gegen das starre Erreichen der Schaffung eines europäischen Hochschulraums und andererseits gegen die Reduzierung des Studienziels auf Kosten der Qualität in der Lehre, was als Endprodukt zu „Schmalspurakademikern” führt.
Bilanz 10 Jahre Bologna:
• Geringe Akzeptanz des Bachelor-Studienabschlusses am Arbeitsmarkt
• Gleich bleibende soziale Selektivität beim Zugang zur universitären Bildung
• Überfrachtung der Studienpläne sowie gleichzeitige Einschränkung der Wahlmöglichkeiten
• Anrechnungsprobleme sogar unter heimischen Unis
• Keine Verbesserung der Mobilität von Studierenden
• Reduzierung akademischer Freiheit
• Studenten Wahrnehmung: personifizierter In- und Output
Der Wissenschaftssprecher der Grünen Kurt Grünwald ist der Ansicht, dass dem „Kaputtsparen im Bildungsbereich“ ein Ende gesetzt werden muss. Anlässlich der Bologna-Debatte stellt er klar, dass eine gewisse Berufsorientierung der Universitäten und Fachhochschulen sowie der Einbezug des Arbeitsmarkt-Trends zwar notwendig sind, jedoch der Bildungsbegriff keinesfalls auf eine bloße Nützlichkeit eingeschränkt werden darf. Daher muss breiter Orientierung, Interdisziplinarität, Kritikfähigkeit und Aufklärung weiterhin Platz im tertiären Bildungsbereich eingeräumt werden. Universitäten als Orte der kritischen, kontroversiellen Auseinandersetzung dürfen sich nicht auflösen.
Mit dem Bologna-Abkommen geht der Trend eindeutig zu immer kürzeren Studien, die möglichst rasch und systemkonform absolviert werden sollen. Bei dieser Entwicklung zeichnet sich ein Rückgang der Studierenden von Master- und Doktorratsstudien ab, was eine Laufbahn in Wissenschaft und Forschung verhindert und die Differenzierung zu Fachhochschulen verschwimmen lässt. Kurt Grünwald stellt Österreich bei der Bildungsdiskussion ein schlechtes Zeugnis aus, da die Ziele – Verbesserung der Betreuungsverhältnisse, räumliche Ressourcen für Lehre, Ausbau von Lernzentren und die Anhebung der Zahl der StudienbeihilfeempfängerInnen - bislang nicht umgesetzt werden konnten.
(Petra Sadler)
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Mir ist schon klar, dass es die Aufgabe der Opposition ist, Missstände aufzudecken und die Regierungsparteien zu kritisieren. Ich kann auch den wesentlichen Kritikpunkten des Artikels “10 Jahre Bologna: Grund zum Feiern?” folgen. Nur manchmal habe ich den Eindruck, dass es sich die Grünen zu leicht machen, indem sie etwas pauschal sagen, dass alles was von der Regierung kommt schlecht ist, es aber auf der anderen Seite verabsäumen konkrete Lösungsvorschläge zu machen. Ich sehe auch die Gefahren der Verflachung des Forschungsauftrages der Universitäten durch Bologna. Allerdings bietet eine europäische Vereinheitlichung des tertiären Bildungssektors in Europa auch Chancen. Natürlich steckt das System der gegenseitigen Anrechnung noch in den Kinderschuhen. Es ist aber auch so, dass das System Europa sehr träge ist, und solche Prozesse seine Zeit brauchen. Ich würde mich freuen, wenn von den Grünen konkrete Lösungsvorschläge kommen und diese in den Bildungsdialog eingebracht werden.
ciao
Herbert
Lieber Herbert!
Herzlichen Dank für Ihren Kommentar und Ihre Anregungen. Ich kann verstehen, dass es manchmal so ankommt als würden wir GRÜNE “nur” die Regierung kritisieren. Mal ganz abgesehen davon dass es eine unserer zentralen Aufgaben als Oppositionspartei ist die Konzepte der Regierung(en) zu hinterfragen – stimmt das aber einfach nicht.
Gerade im Bildungsbereich sind es insbesondere wir GRÜNEN, die Konzepte auf den Tisch legen. Ich darf in diesem Zusammenhang auf unser Bildungsprogramm http://www.gruene.at/uploads/media/gruenes_bildungsprogramm_09.pdf bzw. auf diverse Stellungnahmen der GRAS http://www.gras.at/index.php?searchword=bologna&option=com_search&Itemid= oder unseres Wissenschaftssprechers Kurt Grünewald http://www.gruene.at/uni_forschung/artikel/lesen/56758/ hinweisen.
Wenn Sie dazu Frangen, Anregungen oder Ergänzungen haben stehen wir Ihnen jederzeit sehr gerne zur Verfügung.
mfg Rudi Hemetsberger